Ragela Bertoldo

Fotografie | Malerei

Inspiriert bin ich oft durch Strukturen, die ich in der Natur antreffe, zum Beispiel Grasballen auf einem Feld, Holzstämme oder Steine. Ich reduziere die Schärfe des Focus, abstrahiere und variiere diese Formen, stets auf der Suche nach der geeigneten Mischung von Spannung und Harmonie der Form der Objekte und deren Anordnung. Flächen und Farben verlieren ihren Bezug zur Natur.

Die Bilder erhalten ihr eigenes Leben im Laufe der Überarbeitung, stehen stellvertretend für gedankliche Anordnung, stehen für Strukturen, die man, ausgehend von Erfahrungen, abstrakt gespeichert haben könnte. So ergibt sich die Inspiration auch bei vielen Bildern während des Malens.

Nicht nur theoretische Betrachtungen spielen bei meinen Bildern eine Rolle. Ich male häufig aus einem Guss, entdecke während des Malens wieder tiefere Strukturen, finde plötzlich den Verlauf einer Linie oder Form und Struktur einer Fläche, bis das Bild seine Charakteristik hat, die ich nicht mehr ändern könnte, ohne ein anderes Bild zu malen.

Meine Blicke und Gedanken rufen ständig nach künstlerischer Verarbeitung. Nur einen kleinen Teil davon kann ich realisieren, zu zahlreich sind die Inspirationen.

Dies bewog mich, in den letzten Jahren immer häufiger auch fotografisch zu arbeiten, das uns ständig Begleitende, das oft scheinbar Unwesentliche und Unauffällige im Alltag festzuhalten, die Deutung wie Gedankenfetzen spielerisch zu variieren oder neu zu inszenieren.

Reflektionen zu meinen Arbeiten mit den Schattenwürfen einer Zuckerdose und anderer Gegenstände:

Schattenbilder täuschen oder enttäuschen gar den Betrachter im Spiel von Illusionen und Wirklichkeit und werden mit vielfältigen Bedeutungen aufgeladen. Die Lichtverhältnisse bestimmen den Schatten, er taucht auf und verschwindet wieder.

Schatten sind wie Erinnerungen, sie sind nicht greifbar und umschreiben nur Konturen, sie sind dunkel, können gross und mächtig, aber auch klein und unscheinbar sein, und sie ändern – wie Erinnerungen – im Laufe der Zeit auch ihren Inhalt. Sie beeinflussen unsere Sicht auf das Objekt, auf die Wirklichkeit. Beide benötigen ein Objekt, das sie reflektieren können und Schatten wie auch Erinnerungen sind von äusseren Umständen abhängig.

In meinen Fotoarbeiten mit der Zuckerdose verdrängen die übergrossen Schatten das Objekt. Das Objekt wird zum Schatten seiner selbst.

Bis es wieder über seinen Schatten springt.

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